Galápagos - Pitcairn / French Polynesia

Galápagos - Pitcairn / French Polynesia

Tag 1  20.04.2019 Ostersamstag

Wir verlassen Santa Cruz/ Galapagos. Gegen 15 Uhr sind wir endlich soweit. Anker auf winken uns einige Boote zu die bald folgen werden. Anfangs läuft der Motor aber bald können wir Leichtwind-segeln bei wenig Welle. So ist denn auch die erste Nacht eine Erholung vom Ankerplatz. Es ist gut bewölkt und zwei Regenschauer ziehen durch. Leider ist der Wind südlicher als vorhergesagt, aber bei geplanten 2900sm Gesamtstrecke sind ein paar Meilen nördlich der optimalen Linie nicht so wichtig. Tagesetmal 120sm. Alles Bestens auf der Serentiy

Tag 3    22.04.2019
Ruhiger Tag, unruhige Nacht - wir gleiten dahin, lesen, dösen, geniessen. Bei Leichtwind und gut Strömung kommen wir mit 4-6 kn voran. In der Nacht dann dreht der Wind auf Süd und dann plötzlich auf Südwest. Die Segel schlagen, wir wechseln auf den Backbord Bug. Schwarze tiefhängende Wolken ziehen süd. von uns vorbei. Drei Std. später dreht der Wind abermals und wir können wieder unseren Zielkurs anlegen. Die Wellen werden höher und die Bootsbewegungen sind nicht mehr so komfortabel. Kein AIS weit und breit. Tagesetmal 140sm. Alles entspannt aber müde auf der Serenity

Tag 4   23.04.2019
Abermals haben wir einen guten Segeltag und die Angel zieht wieder einen netten Thunfisch ins Boot. Die Nacht aber sind voller kleiner Squalls. Der Wind geht auf 8 kn runter und auf 20 kn rauf. Die Windrichtung schwankt. Es regnet zwischendurch. An Schlaf ist für Jost nicht zu denken. Der Morgen empfängt uns wieder freundlich als wenn nichts gewesen wäre. Einzig die Wellen werden immer höher. Damit wird auch Fisch filetieren und kochen im allgemeinen mal wieder sportlich. Tagesetmal 158sm. Alles gut schaukelig auf der Serenity.

Tag 5   24.04.2019
Blödes Ohr - Immer noch nehme ich (Susanne) Antibiotika. Das schlägt auf den Magen und das allgemeine Wohlbefinden. Und das Ohr nervt trotzdem noch. Die Wellen schlagen auch. Werden immer ruppiger. Wir fallen etwas ab um mit ihnen und nicht gegen an zu schaukeln. Dabei kommen wir gut voran. Tagsüber volle Besegelung und 7-8 kt Fahrt. Nachts gut eingerefft, damit es mit dem Schlaf besser klappt. Tagesetmal 152. Alles im Rhythmus auf der Serenity.

Tag 6    25.04.2019 

Rollercoaster - Eine unruhige Nacht und ebenso der Tag. Die Welle wird immer zickiger und laut Wettervorhersage für die nächsten Tage wird es nicht besser, eher höher und fast gegen an. Immer öfters klatscht eine Welle hoch an die Seite. Dank des neuen Bimini-Seitenschutzes bleiben wir jedoch im Cockpit trocken. Wir verkeilen uns irgendwo und lesen oder holen uns neue Wetterdaten. Pitcairn ist anvisiert aber es gibt Ausweichmöglichkeiten. In den nächsten zwei, drei Tagen müssen wir uns entscheiden. Tagesetmal 143sm. Es bleibt spannend auf der Serenity 

Tag 7   26.04.2019

Entscheidung - nachdem abermals das Wetter rauf und runter diskutiert ist, entscheiden wir uns nicht nach Pitcairn und Le Gambier zu segeln. Mehr oder weniger 4m Welle für fast eine Woche gegen an sind es uns nicht wert. Wir fallen ab, neuer Kurs 260 grad mit 130 grad am Wind sollten uns auf die nördliche Inselgruppe von Franz. Polynesien bringen, auf die Marquesas. ca 200 sm mehr aber voraussichtlich moderates Segeln mit mehr achterlichem Wind und Welle. Gesegelt mit 6 Std Motor 977 sm in einer Woche gibt einen Verbrauch von 0,003 ltr/km, damit sollte Serenity die Feinstaubplakette erhalten. Olena hat ebenfalls ihre Wetterdaten durchdacht und haben ebenfalls den Kurs geändert.Tagesetmal 137sm. Alles gut auf der Serenity

Tag 8    27.04.2019

Beschäftigter Tag - Im Gegensatz zu den letzten Tagen waren wir heute recht umtriebig. Jost schmeisst den Watermaker an, ich backe Brot, Segel werden auf Schmetterling umgeriggt und abends für die Nacht wieder nur die Genua gesegelt. Plötzlich stellen wir fest, dass die Deckbeleuchtung am Mast nur noch am Stromkabel baumelt. Also ziehe ich Jost bei gut schaukelnder Welle auf halben Mast für eine schnelle Reparatur hoch. Ansonsten ist es bis Mittag wolkenverhangen, der Wind schiebt uns gut voran und die hohen Wellen kommen fast achterlich. Tagesetmal 137sm. Gut schaukelig lässt es sich gut leben auf der Serenity

Tag 9   28.04.2019

Wellen Waschmaschine - Heute mochte uns die Sonne wieder. Nur die Welle lässt partout nicht mit sich reden. Die Nacht hat sie uns gut hin und her gebeutelt. Schlafen ging gar nicht. Mal von hinten, dann wieder auf Backbord und zwischendurch kreuz und quer. Da wir ihr nicht zu viel Segelfläche zumuten, reitet Serenity diese mit Hilfe des Autopiloten auch gut ab. Einzig wir Menschen haben noch keinen Automatismus. Tagesetmal 144sm. Mit Humor alles gut auf der Serenity

Tag 10   29.04.2019

Struktur - Es heisst immer, der Tag muss eine Struktur haben, dann lebt es sich leichter. Unsere Struktur zur Zeit - Frühstück gegen 09, Salzwasser Dusche, 29 Grad, per Eimer und mit Süsswasser abduschen danach, genial. Lesen, dösen, Positionsdaten verschicken um 12.00, Tagesmail mit Olena (heute ca 70 sm hinter uns), Snack, lesen, dösen, dazwischen immer wieder kleine Segel-Stellungs-Korrekturen. Sportliches kochen, Abendessen, gegen 20.00 Uhr gehe ich schlafen, gegen 0:30 Uhr wird getauscht und dann wieder gegen 05.00 Uhr. Langweilig, nein, ich bin dankbar für jeden Tag der so locker verläuft, ohne das etwas kaputt geht oder Wind und Welle anstrengend sind. Wind zur Zeit 10-15 kn, Welle seit morgens wesentlich weniger, Kurs 255 grad, am Wind 135 grad. Tagesetmal 140sm. Angenehme Struktur auf der Serenity

Tag 11    30.04.2019

Halbzeit oder auch Bergfest - Die 1500er Marke ist über- und unterschritten. Das muss gebührlich begangen werden. Ich backe uns einen Apfel-Nusskuchen, der nachmittags bestens passt. Als die 1500er sm Marke dann unterschritten wird, gönnen wir Neptun einen feurigen 70%igen Ätna Schnaps (danke dafür an Mirella u Roy, Sizilien). Als Antwort darauf werden seine Fische feurig und der grosse Köder samt Leine ist schneller weg als wir gucken können. So war das nicht gedacht. Auf den Anlass hin und den Schreck genehmigen wir uns einen braven Kräuterlikör. Wind und Welle heute ein auf und ab zwischen genial und nervig. Tagesetmal 133 sm. Auf der Serenity wird nun herunter gezählt

Tag 12    01.05.2019

Man trifft sich - 1690 sm nachdem wir von Galapagos los sind, mitten im riesigen Pazifik holt die Olena uns spätnachmittags ein. Segelt direkt neben uns. Per Funk und Sichtkontakt unterhalten wir uns fast eine Stunde lang. Fehlt nur noch das Bier, dann wäre der Sundowner perfekt. Über das chaotische Wellenbild verliere ich heute mal kein Wort. Ansonsten ist der Wind konstant und das ist beruhigend. Tagesetmal 144. Die Sonne geht unter vor der Serenity mit Blick auf das Boot von guten Freunden.

Tag 13   01.05.2019

Einen Ruhigen - Jost schickt die Angel einkaufen und tatsächlich hängt sich ein netter Thunfisch an den Haken, der für gut zwei Abendessen reicht. Mittlerweile habe ich mit dem Filetieren richtig Übung. Verrückt, in den Wochen hier im Pazifik haben wir schon mehr Fisch gefangen als im ganzen Jahr im Atlantik. Olena immer noch in Sichtweite haben wir einen guten Segeltag. Auch wenn morgens die Welle wieder zum Haare-raufen aus allen Richtungen kam. Tagesetmal 142sm. Alles ruhig auf der Serenity

Tag 15    04.05.2019

Freud und Leid - liegen so nah beieinander. Die ganze Fahrt über haben wir sie noch nicht gesehen. Plötzlich, gegen späten Nachmittag sind sie da. Delphine, erst 3,4 dann 10-15 grosse dunkelgraue Tiere mit hellgrau geflecktem Bauch. Sie kommen in dreier Formation zum Bug, springen in die Welle, aus der Welle heraus, surfen die hohe Welle am Bug hinter uns ab, klatschen mit der Flosse und machen Jost vorne nass, haben sichtlich Spass. Unglaublich, immer wieder, unermüdlich in das glitzern der schräg stehenden Sonne. Ein Traum. Unsere Kameras sind immer im falschen Moment am falschen Ort und die Batterie hat schon lange aufgegeben, da sind sie immer noch um uns herum. Ach, ich weiss nicht warum, die Tiere machen einfach glücklich. Dann kam die Nacht. Die Wolken wurden dick und schwarz, kein Stern zu sehen, der Wind schwankt zwischen 15 und 25 kn, mehrere Regenschauer ziehen über uns weg. Die Welle stoppt einen auf, dann kommt der Klatscher von der Seite, die nächste schiebt uns von hinten wieder an. Speed zwischen 3,5 und 7 kn. An Schlaf ist nicht zu denken. Als es hell wird wieder auf Main und Fog, am Wind segeln umgeriggt. Kurs passt noch. Tagesetmal 136 Alle müde auf der Serenity

Tag 16    05.05.2019

El Nino - Heute haben wir wieder ein Forecast von Wetter-Bob aus Australien, mit dem Südsee Daten erhalten. Er ist nicht glücklich mit der viel zu hohen Wassertemperatur, dem Wetter vor der Südküste NZ und ungewöhnlichem Wellenbild vor den Marquesas. Es ist wohl doch ein kleines El Nino Jahr. Dadurch verschiebt sich die Strömung im kompletten Pazifik und nix is mit Barfuss-Relax-Route. Die Welle rollt heftiger denn je von hinten ran, wir segeln Schlangenlinien am optimalen Kurs entlang um mal am Wind, dann wieder Schmetterling nicht zu stark zu rollen. Dabei verhakt sich die Main beim Einrollen im Mast und wir brauchen einiges an Geduld und Zeit bis wir sie wieder frei haben. Die Nacht dagegen beginnt wieder mit einer Delphin Show und verläuft verträglich. Wir können beide während unserer Freiwache gut schlafen. Tagesetmal 138sm. Heute alle besser drauf auf der Serenity

Tag 17    06.05.2019

MahiMahi - Nach dem Thunfisch-Angel-Glück nun ein grandioser MahiMahi (Goldmakrele). Das Abendessen ist gerade fertig, als die Angel rauscht. Jost kämpft und bald kann ich einen bunten, grossen Fisch über das Heck annehmen. Ein bisschen tut es uns Leid um das schöne Tier. 93cm lang und gut 8 kg schwer. Wir haben einiges zu tun bis alles wieder sauber, der Fisch zerlegt, filetiert und teilweise eingefroren ist. Bis zu den Marquesas braucht die Angel jetzt nicht mehr raus. 

Ein lieber Exkollege hat immer gesagt. Jammern auf hohem Niveau - so komme ich mir vor wenn ich die Nachricht eines Segelkollegen lese. Vor Pitcairn ist zurzeit Sturmwarnung, anlanden unmöglich und auf Gambier sind es viel zu kalte 18 Grad und Dauerregen. Wir haben alles richtig gemacht und über unsere weiterhin nervigen Wellen denke ich jetzt weniger unzufrieden. Tagesetmal 140sm Alles läuft rund auf der Serenity.

Tag 18    07.05.2019

Alles ruhig - Es gibt eigentlich nichts zu berichten. Der Wind gleich bleibend, im ganzen aber weniger (10-15kn), die Welle die letzten 24 Stunden gnädig, aber immer noch nervend, Passatwölkchen am Himmel, kommen wir langsam voran und die Segel bleiben fast unangetastet. Wir lesen, dösen, machen kleine Wäsche, Jost macht seinen täglichen Check-Rundgang auf Verbindungen und Scheuerstellen und abends genießen wir den leckeren Fisch. Tagesetmal 128. Alles locker auf der Serenity

Tag 19    08.05.2029

Unter 500 - Seemeilen bis zum Ziel. Die Nacht war ruhig und wir konnten nacheinander gut schlafen. Heute morgen sollte dann der Gennaker die Speed ein wenig beschleunigen. Alles ausgebäumte zurückgerüstet und den Gennaker hochgezogen. Da wir aber achterlichen Wind und die Welle fast auf backbord haben, schlug das grosse Segel alle paar Minuten gut um. Jost schaut sich das genau 15 Minuten an, dann wird alles ab- und wieder Altzustand aufgeriggt. Schmetterling mit Genua und Main taumeln wir nun bei 13-18 kn Wind, 2m Welle, 4,5-7 kn Speed ( je nachdem ob uns die Welle abbremst oder anschubst) vorwärts. Tagesetmal 131 sm. Mögliche Ankunftszeit wird nun ständig hochkalkuliert auf der Serenity.

Tag 20    09.05.2019

To do Liste - unsere To Do Liste wenn wir dann da sind, wird wieder länger. Von den 5 Sonnen Paneelen liefern seit gut einer Woche nur drei Strom, was dazu führt dass wir abends schon mal den Motor zwecks Stromerzeugung mitlaufen muss. Das Dingi hat auf einer Seite ein Leak und muss alle zwei Tage aufgepumpt werden. Der Spibaum braucht Service und und und. Und der Wind lässt bedenklich nach. Nein bitte Wind, nur noch zwei Tage durchhalten. Nicht endlos motoren. Noch segeln wir. Nebenbei - seit 20 Tage haben wir ausser der Olena nichts und niemanden gesehen. Heute fährt ein Riesentanker knapp 2 sm dicht hinter uns her. Tagesetmal 138 sm. Eine weitere Stunde Zeitverschiebung auf der Serenity angepasst.

Tag 21    10.05.2019

Der Wind - bleibt uns die Nacht über treu. Genau drei Wochen sind wir jetzt auf See. Morgens riggen wir Main und Genua ausgebaumt jeweils auf die andere Seite, um einen direkteren Kurs fahren zu können. Ab Mittag muss leider der Motor bei 6-8 kn Wind ein wenig nachhelfen. Nachmittags sind wir von dunklen Wolken umgeben und der Wind hat aufgefrischt. Das hielt leider nicht lange an. So dümpeln wir mit 8-9 kn dahin. Mal schaun wann wir den Motor anwerfen. Die Olena hat heute Landfall! Bei uns wird es wohl Sonntag spät nachmittag werden! Tagesetmal 129 sm. Letzter Sundowner während der Überfahrt auf der Serenity

Tag 22 11.+12.05.2019

Landfall - Den ersten Kontakt mit Polynesischen Landsleuten haben wir 60 sm vor der Insel. Ein grösserer Fischkutter fährt dicht an uns vorbei. Ich grüsse und mehrere Hände grüssen freundlich zurück, das Signalhorn tutet. Etwa eine Stunde später spielt kurz eine Horde kleiner Delfine am Bug. Unglaublich, so schön, endlich, fast da. Gegen 11.00 Uhr ruft Jost auf einmal - Land in Sicht ! Noch 40 sm to go. Marquesas wir kommen. Auf unserem Boot brummt es wie auf einer Baustelle. Der Motor läuft, da gegen 10 Uhr der Wind einschlief, der Generator und Kärcher für den Wassermacher laufen, das Dingi wird aufgepumpt. Wir bereiten uns vor, räumen auf, um, holen den schweren Zweitanker hervor (Front- und Heckanker werden in der Bucht gelegt), passende Leine wird entsprechend auf die Heckrolle montiert, neue Landesflaggen hochgezogen und, und und.... und die letzen Meilen zählen runter. Gegen 13 Uhr haben wir ein Tagesetmal von 134 sm und noch 25 sm zu segeln. 15 sm segeln wir an der grünen Küste von HivaOa entlang. Dann biegen wir in die Bucht vor Atuona ein und zwischen ein paar anderen Seglern liegen Olena und Vega und mit lauten Tröten und Winken werden wir begrüsst. Ich habe echt Pipi in den Augen. Der Anker fällt nach 3063 sm, 22 Tagen und 4 Stunden. Auf der Olena gibt es Sekt und Knobibrot. Perfekt ! Eine Ankunftszigarre noch für uns als Abschluss - wir sind da !